Unter den vielfältigen Beständen der Zentralbibliothek findet sich auch der Nachlass der Genfer Philosophin Jeanne Hersch (1910-2000), die als streitbare Intellektuelle über Jahre hinweg die politischen und gesellschaftlichen Diskurse in der Schweiz nachhaltig prägte.

Hersch wurde 1910 als Tochter polnisch-jüdischer Eltern in Genf geboren. 1928-1933 studierte sie Philosophie in Genf, Paris, Heidelberg und Freiburg. Von 1956 bis 1977 lehrte sie als Professorin für Philosophie an der Universität Genf. 1966-1968 und 1970-1972 war sie Direktorin der Abteilung Philosophie sowie Mitglied des Exekutivrates der UNESCO. In ihren Büchern befasste sie sich vor allem mit der Freiheit des Menschen. Einen Namen machte sich Hersch auch als Übersetzerin der Werke ihres Lehrers Karl Jaspers und als prominentes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei.

In den über 400 Schachteln ihres Nachlasses finden sich Manuskripte, Fotografien, Briefe und andere Archivalien, die von einem aussergewöhnlichen Leben berichten und ein eindrückliches Stück Zeitgeschichte darstellen: Herschs intellektuelle Auseinandersetzung mit den Ideologien des 20. Jahrhundert ist ebenso dokumentiert wie ihre politischen Engagements für die Menschenrechte und für ein vereintes Europa. Zahlreiche Dossiers geben Auskunft über ihre Lehrtätigkeit an der Universität Genf oder die Arbeit für die UNESCO. Umfangreiche Briefwechsel bezeugen ihre Verbindungen zu einflussreichen Exponenten in Politik, Kultur, Wirtschaft und Kirche.

Ein ausführliches Verzeichnis des Bestandes findet sich auf dem Portal ZBcollections.