Clementine Stockar-Escher

Clementine Stockar-Escher (1816–1886), deren Nachlass die Graphische Sammlung hütet, gilt es wiederzuentdecken. Das künstlerische Œuvre der Aquarellistin umfasst zum einen Blumenstillleben, die sie in den Gewächshäusern und in den Anlagen im Belvoirpark nach der Natur im Bild festhielt. Hier im Anwesen ihres Vaters Heinrich Escher-Zollikofer in Zürich-Enge wuchs die Künstlerin auf.
Zum anderen entstanden Bildnisse aus dem Kreis ihrer Familie, etwa von ihrem jüngeren Bruder, dem Wirtschaftspionier Alfred Escher, oder von Vertretern des Zürcher Musiklebens, darunter Richard Wagner, die für ihre Lebensnähe gerühmt wurden. Für Ihre Genrebilder standen häufig Nachbarskinder Modell, wie etwa Estherli Wirth für das Mädchen, das an Samstagen Scheuersand zur Reinigung der Treppenstufen verkaufte.
Sozialgeschichtlich gesehen spiegelt Stockar-Eschers Motivwahl und Maltechnik die bei Künstlerinnen tolerierte «kleine Form» des Aquarellierens und Zeichnens, die Beschränkung auf das kleine Format und auf die weniger angesehenen Gattungen des Porträts, Genres und Stilllebens.