Der Apfel fällt nicht weit vom Tell – Daniel Chodowiecki zum 300. Geburtstag
Ein wenig unscheinbar liegt er da, der Apfel des Anstosses – von Wilhelm Tells Pfeil durchbohrt hat er seinen grossen Moment hinter sich und kugelt nun unbeachtet vorne am Boden herum, während der Schütze und der Vogt in der Bildmitte gestenreich aufeinander losgehen.

Eingefangen hat die Szene der aus Danzig stammende Grafiker und Illustrator Daniel Nikolaus Chodowiecki (16.10.1726–7.2.1801), der sie mit folgender Widmung versah: «Dem Herrn Johann Caspar Lavater Pfarer in Zürich zugeeignet von dessen ergebensten Diener Daniel Chodowiecki in Berlin». Dies geschah um das Jahr 1781, als Chodowiecki Illustrationen für den Zürcher Pfarrer Johann Caspar Lavater schuf.
Zwischen 1770 und 1774 entstand mit 269 Bildern zum reformpädagogischen Elementarwerk des deutschen Philanthropen Johann Bernhard Basedows eines der Hauptwerke des Künstlers. 1959 hielt die Zürcher Kinderbuchverlegerin und -sammlerin Bettina Hürlimann in ihrem Buch über Europäische Kinderbücher in drei Jahrhunderten dazu fest: «Die Stiche Chodowieckis machen das Buch bis heute zu dem bezauberndsten und unterhaltendsten Bilderbuch, das man sich vorstellen kann, und man kann wohl getrost sagen, daß dies eines der ersten, wenn nicht das erste dem Kind gewidmete Bilderbuch ist, das ein wirklicher Künstler illustrierte.» (S. 59)
Die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich besitzt über 2000 Radierungen dieses «wirklichen Künstlers», dessen Geburtstag sich 2026 zum 300. Mal jährt.

Header-Bild: Daniel Chodowiecki, Wilhelm Tell, Berlin, um 1781, Ausschnitt