Ausstellungen


13. Dezember 2016 bis 2. September 2017

100 Jahre im Zentrum

Vor 100 Jahren öffnete die Zentralbibliothek Zürich ihre Pforten. Aus diesem Anlass zeigen wir vom 13. Dezember 2016 bis 2. September 2017 im Themenraum Turicensia eine Ausstellung mit weitgehend unbekannten Fotografien zu den Bauarbeiten 1914-1917. Begleitet wird die Bildergalerie von Texten zur Planung und Umsetzung des Bauprojektes. Die Besucherinnen und Besucher haben zudem Gelegenheit die Zentralbibliothek selbst zu bauen – die heutige ZB mittels einem Bastelbogen oder virtuell am Touchscreen die ZB von 1917.

Kuratoren der Ausstellung:                                          Öffnungszeiten:

Anita Gresele, lic. phil.                                                 Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa+So 9-17 Uhr
Leiterin Abteilung Turicensia                                       

Roberto Alliegro, lic. phil.                                             Freier Eintritt
Stv. Leiter Abteilung Turicensia                                   Gruppenführungen nach Vereinbarung


1. Dezember 2015 bis 29. April 2016

Ernährung ist ein vielschichtiges Phänomen

Was gegessen und getrunken wird, spiegelt die Ordnung einer Gesellschaft und macht ihren soziokulturellen Wandel sichtbar. Essen und Trinken liefern überdies wichtige Hinweise über die Strukturen einer Bevölkerung, über Herrschaftsverhältnisse und Werthaltungen.

Die Ausstellung «Hirsebrei, Hüppen & Hosechnöpf - Kulinarisches aus Zürich Stadt und Land» widmet sich zwei Schwerpunkten. Zum einen suchten die Kuratoren in den Handschriften und Büchern der Zentralbibliothek nach Zürcher Spezialitäten, zum andern befassten sie sich mit der Kulturgeschichte einzelner Nahrungsmittel und Getränke sowie deren ökonomischen Kette. Aus den vorgestellten Rezepten werden jeweils einzelne Zutaten hervorgehoben und deren Herkunft, Produktion, Verteilung und Konsum beleuchtet. Die unterschiedlichen Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land bilden den Leitfaden der Ausstellung. Damit kommen Aspekte der Gerechtigkeit und der Gesundheit ins Spiel, die auf die soziale und politische Dimension der Ernährung verweisen. Die Besucherinnen und Besucher gewinnen einen Einblick in die Ernährung vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

In der Ausstellung ist eine breite Auswahl an Kochbüchern und Literatur zum Thema bereitgestellt.
Beim Thema Essen und Trinken in Zürich kommt man nicht um die «Zürcherischen Ausruff-Bilder» herum. Die vom Zürcher Kupferstecher David Herrliberger (1697–1777) Mitte des 18. Jahrhunderts dargestellten Händlerinnen und Händler bilden eine einzigartige Quelle volkskundlicher Informationen. Von den insgesamt 156, ursprünglich nicht viel grösser als eine Visitenkarte gestochenen Bildern, sind deren sechs speziell für diese Ausstellung in Menschengrösse gedruckt worden. Die Verkäuferinnen und Verkäufer erwachen so in gewisser Weise zu neuem Leben und begleiten die Ausstellung.

Während das Thema Essen anhand einer Auswahl von lokalen und regionalen Kochrezepten, einzelnen Zutaten und Grundnahrungsmitteln breit dokumentiert ist, liegt der Fokus beim Thema Trinken auf Wasser, Wein und Bier.

Aus der Vielzahl an Trinkwasserbrunnen im Kanton Zürich sind in der Ausstellung 24 dokumentiert. Auf einem Touchscreen kann ein Brunnenbild angetippt werden und die Besucherinnen und Besucher erhalten dabei nicht nur interessante Informationen, sondern erfahren via Google Maps gleich deren Standort.
Die vielen Weinanbaugebiete machten Wein seit dem Mittelalter für alle Bevölkerungsschichten verfügbar. Galt der Wein als das prestigeträchtigere Getränk, war doch in vielen Gegenden Bier das Volksgetränk. Im Kanton Zürich haben sich bis heute zahlreiche Unternehmen mit ihrem Angebot an lokalen Produkten behaupten können. In der Ausstellung ist die Vitrine ein Schaufenster für Weine, Branntweine und Biere und zeigt das vielfältige und originelle Angebot hiesiger Produzenten. Allen Brauereien, Weinbauern und Branntweinherstellern möchten wir für die Schenkung einzelner Flaschen aus ihrem Sortiment ein grosses Dankeschön richten.

Damit die Ausstellung zum Thema Essen und Trinken auch ein Gaumenschmaus wird, bietet das Bistro der Zentralbibliothek während der Ausstellung jeweils am Mittwoch ein Zürcher Mittagsmenü an. Snacks, Desserts, Kuchen und Zürcher Getränke runden den Tag ab. Wir danken Christine Zehnder (Bistroleiterin) und Kerstin Lücker (ZFV-Unternehmungen) herzlich für ihr Engagement.

Mit der Teilnahme am Wettbewerb können Sie Ihr Wissen zur Zürcher Ess- und Trinkkultur beweisen und jede Woche einen tollen Preis gewinnen. 


16. März 2015 bis 29. Juni 2015

An den Ufern

des Zürichsees leben seit dem Ende der letzten Eiszeit Menschen. Sie bauten erste Siedlungen - die Pfahlbauten - fischten, jagten, sammelten Pflanzen und tauschten Waren. Das Leben am Wasser spiegelt den ganzen Facettenreichtum dieser Kulturlandschaft. Darüber hinaus ist die Unterwasserwelt des Sees mit ihren Sedimentablagerungen und Überresten von versunkenen Pfahlbausiedlungen ein Landschafts- und Klimaarchiv.

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Themenkomplexe, die einen kleinen Ausschnitt der faszinierenden Lebenswelten am Zürichsee zeigen. Die Multimedia Installation bietet ergänzende Informationen, unter anderem einen „Zürcher Pressespiegel“, legendäre Lieder wie „Ich han en Schatz am schöne Zürisee“ der Geschwister Schmid oder die Möglichkeit, heimische Seevögel mittels Webcam zu beobachten. Als rares Zeitdokument finden Sie hier auch die Vertonung eines Gedichts zum Schiffsunglück bei Stäfa, 1764.

Die durch das Wasser vielfältig geprägten Lebenswelten erfordern für das Verstehen ihrer Zusammenhänge eine interdisziplinäre Betrachtungsweise.

Gezeigt werden unterwasserarchäologische Arbeiten und spektakuläre Fundstücke sowie die menschlichen Eingriffe in die Uferlandschaft mit ihren Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Die chronologischen Bilddokumentationen der „Seegfrörni“ und der Unwetterkatastrophen verweisen auf die beiden Gesichter des Elementes Wasser. Als Naturphänomen manifestiert sich der See als lebensspendendes, den Menschen Glück bringendes Element, dessen Kehrseite die unheilbringende, alles zerstörende Kraft des Wassers bildet.

Eine Auswahl an Postkarten zeigt den See als attraktive Ferien- oder Ausflugs-Destination. Die ausgestellten Modellbauten stehen für Tourismus und Wirtschaft: der Raddampfer „Stadt Zürich“ ist das älteste noch im Dienst stehende Schiff und zugleich eines der letzten Zeugen des Dampfschiffbaus der 1805 gegründeten Escher Wyss & Cie. in Zürich. Das Grendeltor hatte sowohl Schutz- wie Wirtschaftsfunktion, bildete es doch gegen den Zürichsee hin den Abschluss der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung und diente als Durchgang für den Schiffsverkehr zwischen Limmat und Zürichsee.

Zu den Themen Wasservögel und Fische vermittelt die Ausstellung nur punktuelle Eindrücke, da diese Aspekte je für sich eine Ausstellung füllen könnten. Während die „Fischtafel“ den grossen und vielfältigen Fischbestand im Zürichsee und in der Limmat Mitte des 18. Jahrhundert dokumentiert, haben die handkolorierten „fliegenden“ Wasservögel einen allgemeinen und exemplarischen Charakter. Die Themen Lebenswelten, Fauna und Flora sind in der Multimedia Installation dokumentiert.

Die gewählten Facetten laden ein zum Verweilen, Staunen und Nachdenken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer der vielfältigsten und schönsten Landschaften und zugleich einer der dichtest besiedelten Regionen des Kantons Zürichs.


Mit Unterstützung von

Spezialsammlungen ZB: Graphische Sammlung und Fotoarchiv, Handschriftenabteilung, Abteilung Karten und Panoramen, Musikabteilung

Kantonsarchäologie, Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich, Zürichsee Landschaftsschutz, SCG UNESCO Palafittes

Konzept: Roberto Alliegro, Anita Gresele


1. Oktober 2014 bis 7. Januar 2015

Der Grosse Krieg – Streifzüge durch die Zürcher Gemeindechroniken

Der Beginn des 1. Weltkriegs – auch Der Grosse Krieg genannt – jährt sich dieses Jahr zum 100. Mal. Insgesamt 9 Millionen Soldaten und 6 Millionen Männer, Frauen und Kinder starben im ersten „industrialisierten Krieg“ der Geschichte.
Diese „Urkatastrophe“ beendete das lange 19. Jahrhundert endgültig und führte zu tief-greifenden wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Umbrüchen. Dazu gehören Urbanisierung, Massenarbeitslosigkeit, Migrationsproblematik, Bildung einer organisierten Arbeiterschaft ebenso, wie die Frauenfrage und die Veränderungen der Familienstrukturen. Die Schweiz wurde von der zerstörerischen Kriegsmaschinerie verschont. Dennoch blieben die direkten Auswirkungen und Folgen des Krieges auch für die neutrale Schweiz nicht aus.

So oft die nationale und internationale Dimension dieses Krieges den Erinnerungsdiskurs bestimmt, so selten stehen die direkten Auswirkungen und Folgen auf der lokalen Ebene im Fokus der Erinne-rungsarbeit.

Die Streifzüge durch die Zürcher Gemeindechroniken erlauben seltene Einblicke in die Wahrnehmung des Geschehens und des Alltagslebens jener Zeit. Mit ausgewählten Textfragmenten aus den handschriftlichen Chroniken zu den Themenbereichen Landwirtschaft, Verwaltung, kirchliches und soziales Leben und Natur, lässt sich 100 Jahre später das Leben in den Gemeinden jener Kriegsjahre nur erahnen. Inserate, Veranstaltungshinweise und Rationierungsmarken aus den Chroniken, ergänzt durch eine Auswahl an Postkarten aus der Graphischen Sammlung + dem Fotoarchiv der Zentralbibliothek Zürich, veranschaulichen die Auswirkungen des Grossen Kriegs und deren Perzeption in den Gemeinden.

Als Begleitmaterial steht in den Regalen links und rechts neben der Ausstellungsvitrine eine kleine Auswahl an Literatur zum Thema bereit. Erweitert wird die Ausstellung durch einen virtuellen The-menraum zum 1. Weltkrieg mit einer Zürcher Presseschau und einer Auswahl an Bildmaterial, Hörbüchern und Filmen, die auch Bezug nehmen zum nationalen und internationalen Geschehen.

Die Zürcher Gemeindechroniken können in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich auf Anfrage bestellt und in deren Lesesaal eingesehen werden (Signatur: G-Ch + Gemeinde).

Weitere Informationen

Zürcher Gemeindechroniken
- Textfragmente

Zürcher Bildmaterial
- Galerie

Zürcher Presseschau
- Pressespiegel zum Grossen Krieg

Zürcher Filme
- Füsilier Wipf
- Gilberte de Courgenay


5. Mai bis 12. Juli 2014

Ricarda Huch an der Stadtbibliothek Zürich (1891-1894)

Ricarda Huch trat ihre Stelle am 1. November 1891 an. Zu ihren Aufgaben gehörten die bisher dem Zweiten Bibliothekar zugteilte Korrespondenz und die Verarbeitung von neuen und alten Druckschriften. Weil die Bibliothekare ihren Spitzkurrent bemängelten, musste sie sich die Antiquakursive aneignen:
 

„Das Schlimmste an der Stadtbibliothek ist, dass immer mit verhaltenem Misstrauen auf meine Handschrift geschielt wird.“
(Huch an Wilhelm von Wyss, 8.11.1891)

Der Lohn betrug 1'500 Franken jährlich bei einem Wochenpensum von 24 Stunden. Die Wohnungsmiete um 1900 betrug in Zürich 400 bis 500 Franken jährlich. Damit war Ricarda Huchs Existenz für’s erste gesichert. Von Anfang an beschäftigte sie aber auch die Frage, ob sie die Stelle auch als verheiratete Frau behalten dürfte:

„Wenn wir uns unter diesen Umständen heirathen, wird es sehr die Frage sein, ob die hochconservative Stadtbibl. mich behält, ausgenommen, ich habe mir bis dahin auf anderm Gebiete einen Namen gemacht. Gott, wann kommt der Ruhm endlich!“
(Huch, Du mein Dämon, meine Schlange …, S. 205)

Die Titelaufnahmen zu Broschüren der Sammlung Usteri waren zum Abdruck im Katalogsupplement bestimmt. Die meisten Katalogisate stammen von Ricarda Huch.
(ZBZ: Arch St 741)