Schnyder von Wartensee, Franz Xaver (1786–1868)


Komponist

Porträt von Franz Xaver Schnyder von Wartensee

Signatur: Ms V 11-74 & a-d, 414-416, 455-456 & a

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Briefe, Bildmaterial, Varia. - 4.7 m.
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Franz Xaver Peter Joseph Schnyder von Wartensee wurde am 18. April 1786 in Luzern geboren. Er lernte als Kind Violine und mit 16 Jahren Klavier. Bei den Musikfesten der Schweizerischen Musikgesellschaft in Luzern (1808, 1810) und Zürich (1809) spielte er Kontrabass, Cello, Viola, Klarinette und Pauke; alle Instrumente hatte er sich autodidaktisch beigebracht. Sein Vater, Offizier der Schweizertruppen in Korsika, hatte für ihn eine politische Karriere angestrebt, doch Schnyder von Wartensee gab seine Beamtenstellung auf und ging 1810 nach Zürich. 1811 erregte seine Komposition Das Grab am Musikfest in Schaffhausen die Aufmerksamkeit Carl Maria von Webers. Noch im selben Jahr reiste Schnyder nach Wien, um bei Beethoven zu studieren. Dieser nahm ihn zwar als Schüler nicht an, war aber bereit, die Kompositionen Schnyders zu prüfen. Schnyder liess sich schliesslich in Baden bei Wien nieder und studierte bei Johann Christoph Kienlen. Im Juli 1812 brannte sein Wohnhaus nieder, er verlor seinen gesamten Besitz und kehrte nach Luzern zurück. 1814 zog er mit seiner Frau Karoline von Hertenstein (†1827) nach Schloss Wartensee, das er geerbt hatte, und widmete sich der Musik, der Literatur, ästhetischen und naturwissenschaftlichen Studien. Da das Schloss hochverschuldet war, übernahm Schnyder 1816 eine Anstellung als Gesangslehrer an Pestalozzis Erziehungsinstitut in Yverdon. Bereits im folgenden Jahr verliess er das in Schwierigkeiten steckende Institut und begab sich nach Frankfurt am Main. Er unterrichtete, komponierte und gab Rezitals auf der Glasharmonika und dem Klavier. 1828 gründete er den Frankfurter Liederkranz. Sein Oratorium Zeit und Ewigkeit schrieb er für das Frankfurter Chorfest 1838, an dem er massgeblich beteiligt war. 1831 stellte er dem Pädagogen Friedrich Fröbel Schloss Wartensee für eine Erziehungsanstalt zur Verfügung. 1847 gründete er die heute noch bestehende Stiftung Schnyder von Wartensee zur Förderung künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeiten, die von der Zentralbibliothek Zürich verwaltet wird. Im selben Jahr heiratete er Josephine Jahn. Schnyder lebte zeitweise in Luzern und Zürich, bevor er nach Frankfurt zurückkehrte, wo er am 27. August 1868 starb.
Schnyder von Wartensee war einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten der späten Klassik und frühen Romantik. Seine Werke zeichnen sich durch ihre Melodik und ihren Reichtum an feinster Kontrapunktik aus. Er hatte eine Vorliebe für komplizierte Taktarten, kontrapunktische Kunststücke und eine Neigung zum Formalismus. Zudem war er musikschriftstellerisch tätig und schrieb während der letzten Lebensjahre an seiner Autobiographie.

 

Literatur:

Gagliardi, Ernst, und Ludwig Forrer, Neuere Handschriften seit 1500 (ältere schweizergeschichtliche inbegriffen), Zürich 1982 (Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich ; 2), Sp. 1447-1450, 1462, 1467-1468

Weber, Heinrich, Xaver Schnyder von Wartensee, Zürich 1871 (59. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich)