Schaichet, Alexander und Irma (1887–1964 bzw. 1895–1988)


Violinist, Pianistin

Irma und Alexander Schaichet auf dem Zürichsee

Signatur: Mus NL 38

Textmanuskripte, Druckschriften, Briefe, Tonträger, Bildmaterial, Varia. - 0.25 m.
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Alexander Schaichet wurde am 23. Juni 1887 in Nikolajew in der Ukraine geboren. Er studierte am Konservatorium Odessa bei Pjotr Stoljarski (dem späteren Lehrer von David Oistrach und Nathan Milstein), wechselte aber 1906 aufs Konservatorium in Leipzig. 1911 zog er nach Jena, wo er am Konservatorium eine Konzertausbildungsklasse übernahm. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs befand sich Schaichet mit seinem Freund, dem Cellisten Joachim Stutschewsky, in der Schweiz, wo die beiden als Kurmusik-Spieler in Brünig arbeiteten. Da er als Russe nicht nach Deutschland zurückkehren durfte, liess sich Schaichet in Zürich nieder und etablierte sich rasch als Geiger und Geigenlehrer. Dort lernte er die am 15. April 1895 in Budapest geborene ungarische Pianistin Irma Löwinger kennen, die bei Béla Bartók studierte hatte und nach Zürich gekommen war, um Stunden bei Ferruccio Busoni zu nehmen. Alexander Schaichet und Irma Löwinger heirateten am 15. Juli 1919.

1920 gründete Alexander Schaichet das Kammerorchester Zürich, das erste Orchester dieser Art in der Schweiz. Beide Schaichets setzten sich sehr für die moderne Musik ein, vor allem für die Musik ihrer Schweizer Zeitgenossen. Bis 1943, als das Kammerorchester aufgelöst wurde, hat es 51 Ur- und 215 Erstaufführungen alter und neuer Musik gegeben. Paul Müller-Zürich erfuhr z.B. mit dem Kammerorchester vier Uraufführungen (darunter das Bratschenkonzert op. 24), Robert Blum sogar sechs (wie etwa von seiner 3. Sinfonie). Als Schaichet Meinrad Schütters Fünf Varianten und Metamorphosen 1939 uraufführte, hat er diesen Komponisten als erster entdeckt. 1940 wurde Alexander Schaichet zum Leiter der Violinklasse an der Musikakademie Zürich ernannt, wo er u.a. Heiner Reitz und Peter Wettstein zu seinen Schülern zählten.

Während des Zweiten Weltkriegs setzten sich Irma und Alexander Schaichet für Flüchtlinge ein. Zu diesen gehörte der junge Georg Solti, der sich - ähnlich wie Alexander Schaichet 25 Jahre vorher - in der Schweiz gestrandet fand, als 1939 der Weltkrieg ausbrach. Solti konzertierte mit dem Kammerorchester, auch führte er mit Irma Schaichet zusammen Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug in Zürich auf.

Alexander Schaichet ist am 19. August 1964 in Zürich gestorben, Irma Schaichet am 30. Juli 1988, ebenfalls in Zürich.

 

Literatur:

Naegele, Verena, Irma und Alexander Schaichet. Ein Leben für die Musik, Zürich 1995