Nägeli, Hans Georg (1773–1836)


Komponist, Musikverleger, Musikpädagoge

Porträt von Hans Georg Nägeli

Signatur: Ms. Car. XV 185-275 a-c

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Briefe, Varia. - 4 m.
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Der Komponist, Musikverleger und Musikpädagoge Hans Georg Nägeli wurde am 26. Mai 1773 in Wetzikon (Kanton Zürich) geboren. Nach der musikalischen Ausbildung bei seinem Vater, dem Pfarrer Hans Jakob Nägeli, ging er 1790 nach Zürich, um dort seine Klavierstudien bei dem Pianisten Johann David Brünings fortzusetzen. Ein Jahr später gründete Nägeli eine Musikalienhandlung mit Leihbibliothek und fügte 1794 noch einen Verlag hinzu, mit dem er besonders durch die Herausgabe von Klavierwerken Johann Sebastian Bachs (Wohltemperiertes Clavier, 1801 und Kunst der Fuge, 1802), Georg Friedrich Händels, aber auch zeitgenössischer Komponisten wie etwa Ludwig van Beethovens oder Muzio Clementis hervortrat (Letztere vor allem in dem ab 1803 erschienenen Répertoire des Clavecinistes). Infolge erheblicher finanzieller Schwierigkeiten war Nägeli 1807 gezwungen, die Geschäftsführung seinem Freund Jakob Christoph Hug zu übergeben. Rund zehn Jahre später, 1818, wurde er allerdings erneut als Verleger tätig und machte sich insbesondere um die erstmalige Drucklegung von J. S. Bachs h-Moll-Messe verdient, deren erste Hälfte noch zu Nägelis Lebzeiten 1833 erschien (die zweite erst 1845 unter Nägelis Sohn Hermann).

Als Komponist widmete sich Nägeli vorrangig dem Solo- und vor allem dem Chorlied für Chöre in unterschiedlichen Besetzungen. Den erkennbaren Beginn der musikpädagogischen Anstrengungen Nägelis markiert das 1805 durch ihn gegründete Zürcherische Singinstitut, ein gemischter Chor, dem Nägeli in den Folgejahren einen Kinder- und einen Männerchor angliederte. Angeregt durch die Erziehungsideale Heinrich Pestalozzis veröffentlichte er zahlreiche Sammlungen zu didaktischen Zwecken, mit denen er massgeblich zur Ausbildung eines für alle Volksschichten offenen Chorwesens beitrug – etwa die beiden gemeinsam mit Michael Traugott Pfeiffer herausgegebenen ersten Hauptteile einer mehrbändigen Gesangschule – die Gesangsbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen (1810) und die Chorgesangschule (1821) sowie in Ergänzung dazu eine Gesangbildungslehre für den Männerchor (1817) –, ferner eine Praktische Gesangsschule für den weiblichen Chorgesang (1832) und weitere Titel.

Dass sich Nägeli darüber hinaus auch mit allgemeinen Fragen der Pädagogik, Philosophie und Religion auseinandersetzte, belegen seine zahlreichen, häufig nur als Fragmente erhaltenen Schriften. In den 1820er Jahren unternahm Nägeli einige Studien- und Vortragsreisen nach Deutschland und Frankreich. Er war tätig in der Schweizerischen Musikgesellschaft, der Helvetischen Gesellschaft und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Der Stadt Zürich diente er vor allem als Mitglied des Erziehungs- und des Großen Rates. 1833 verlieh ihm die Universität Bonn die Würde eines Ehrendoktors.

Hans Georg Nägeli starb am 26. Dezember 1836 in Zürich.