Denzler, Robert (1892–1972)


Dirigent, Komponist

Porträt von Robert Denzler

Signatur: Mus NL 40

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Briefe, Bildmaterial, Varia. - 3.6 m.
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Der Dirigent und Komponist Robert F. Denzler wurde am 19. März 1892 in Zürich geboren. Er studierte am Konservatorium Zürich sowie privat beim damaligen Chefdirigenten des Tonhalle-Orchesters Volkmar Andreae. Mit 19 Jahren ging Denzler nach Köln, wo er sich zum Konzertpianisten ausbilden liess und nebenbei als Korrepetitor an der Oper arbeitete. Im Sommer war er bei den Bayreuther Festspielen ebenfalls als Korrepetitor tätig.

Mit 20 Jahren wurde Denzler zum städtischen Musikdirektor in Luzern ernannt, drei Jahre später zum ersten Kapellmeister am Stadttheater Zürich. Von 1925 bis 1931 organisierte er die Wagner-Festspiele in Genf, wo er Das Rheingold, Götterdämmerung und Parsifal zur dortigen Erstaufführung brachte. Dank seiner wachsenden Bekanntheit wurden ihm mehrere Gastdirigate ermöglicht, u.a. in Paris. 1927 übersiedelte Denzler nach Berlin; hier war er bis 1932 als erster Dirigent der städtischen Oper tätig. 1934 kehrte er als musikalischer Oberleiter zurück an die Zürcher Oper, wo er sich für die in Deutschland als "entartet" verschmähte Musik einsetzte.

Denzler hatte schon früher in Zürich mehrmals Opern aus der Taufe gehoben, wie etwa Othmar Schoecks Erwin und Elmire und Don Ranudo. 1937 dirigierte er in Zürich die Uraufführung von Alban Bergs Lulu, 1938 die Uraufführung von Paul Hindemiths Mathis der Maler. Auch dirigierte Denzler mehrere schweizerische Erstaufführungen, wie Lady Macbeth von Mtensk von Dmitrij Schostakowitsch und Romeo und Julia von Heinrich Sutermeister.

Anfang der 1930er Jahre unterhielt Denzler Beziehungen zur Nazi-Partei, wohl in der Hoffnung, seine Stellung in Berlin trotz der politischen Wirren zu behalten. 1946 wurde er deswegen gezwungen, seine Stelle am Zürcher Stadttheater aufzugeben. Bald kehrte er jedoch als Gastdirigent dorthin zurück und konnte in den folgenden Jahren seine Karriere im In- und Ausland wieder aufbauen. Freunde und Gönner Denzlers riefen auch die Sonntagskonzerte in der Tonhalle für ihn ins Leben. In Würdigung seiner Verdienste verlieh ihm die Stadt Zürich 1959 die Hans Georg Nägeli-Medaille, und zwar anlässlich der Uraufführung seiner Romantischen Sinfonie. Seine kompositorische Tätigkeit hatte Denzler trotz seiner Dirigentenlaufbahn nie völlig aufgegeben.

Denzler hat sich zu seinem politischen Fehler bekannt, der ihn viel gekostet hatte. Seine Memoiren sowie die Aussagen von Bekannten schildern ihn als Menschen frei von Bitterkeit, der sein Los akzeptierte und dessen Freude an der Musik und an seinem Beruf nie verebbte.

Robert Denzler starb am 25. August 1972 in Zürich.

 

Literatur:

Schuh, Willi (Hrsg.), Schweizer Musiker-Lexikon 1964, Zürich 1964