Schweizerische Musikgesellschaft


Archiv

Am Musikfest in Neuenberg 1828

Am Musikfest in Neuenberg 1828

Signatur: AMG Archiv I-IV C

Druckschriften, Protokolle, Rechnungen, Briefe, Varia. - 0.5 m. - Unpublizierte Findmittel.


Anfang des 19. Jahrhunderts verfügten die einzelnen Schweizer Städte nicht über die Möglichkeiten, grössere Musikwerke aufzuführen. Dennoch wurde zwischen 1801 und 1807 die Schöpfung von Haydn in Zürich, Wil, Schaffhausen und Aarau aufgeführt - fast immer unter Zuzug von Musikfreunden aus verschiedenen Kantonen. Daraus entstand die Idee, die musikalischen Kräfte in einer Schweizerischen Musikgesellschaft zu vereinen und einmal jährlich in wechselnden Städten ein Musikfest zu veranstalten. Die konstituierende Versammlung der Schweizerischen Musikgesellschaft fand am 27. Juni 1808 in Luzern statt. Die Gesellschaft stand musikalisch aktiven Schweizer Bürgern offen, Kollektivmitglieder gab es nicht. Der Kontakt zu den 1809 bereits 350 Mitgliedern wurde durch Kantonalkorrespondenten aufrechterhalten. Die regelmässig stattfindenden dreitägigen Musikfeste, denen bis zu 2000 Zuhörer beiwohnten, waren die ersten ihrer Art in Europa. Das teils massive Missverhältnis von Chor- und Orchestergrösse, bzw. von Streichern und Bläsern verlieh den Musikfesten einen eigenartigen Charakter. Da die Mitglieder das Recht hatten aktiv mitzuwirken, konnte dagegen kaum etwas unternommen werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die grossen Städte eigene gemischte Chöre und Orchester, so dass eine Vereinigung von Musikliebhabern aus der ganzen Schweiz kaum mehr Sinn machte, hinsichtlich musikalischer Qualität nicht ebenbürtig und organisatorisch zu schwerfällig war. Nach dem Treffen 1856 in Genf kam es daher nur noch zu zwei Musikfesten in Basel (1860) und Zürich (1867). Dieses letzte, das 30. Musikfest konnte nur durchgeführt werden, da unter Übergehung der Statuten ein lokales Organisationskomitee gegründet wurde. Als Konzertlokal richtete man im alten Kornhaus am See die Tonhalle ein. Anstelle der Einzelmitglieder kamen Organisationen zum Einsatz: das 101 Mann starke Orchester wurde von Basler und Zürcher Berufsmusikern (lediglich bei den Streichern spielten einige Dilettanten mit), der 603 Sänger umfassende Chor von den Gesangsvereinen gestellt. Für die aktiven Musikliebhaber der Gesellschaft wurden musikalische Abendunterhaltungen organisiert, an denen sie ihr Können zeigen konnten. Das Resultat war weniger eine Zusammenkunft der Schweizerischen Musikgesellschaft zur gemütlichen Pflege der Tonkunst, sondern ein Musikfest, an dem in erster Linie vollendete musikalische Leistungen angestrebt wurden.

Ein weiteres in Lausanne geplantes Musikfest kam nicht mehr zustande, die Schweizerische Musikgesellschaft hatte sich überlebt und wurde am 4. Oktober 1891 aufgelöst. Mit dem Vermögen, dem auch die aufzulösende Bibliothek in Bern zugeschlagen wurde, gründete man den "Schweizerischen Stipendienfond für Musikstudien" zur Förderung angehender mittelloser Künstler. Die vorhandenen Akten gelangten wohl durch Moritz von Wyss, Mitglied des Zürcher Zentralkomitees und Vizepräsident der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich, in das Archiv der AMG.

 

Quelle:

Niggli, Arnold, Die Schweizerische Musikgesellschaft. Eine musik- und culturpolitische Studie, Zürich 1886.
Enthält: Nachtrag betreffend die Auflösung der Schweiz. Musikgesellschaft und ihre Stiftung vom 4. October 1891, Zürich 1891

 


Sektion Zürich

Ankunft der Zürcher Sektion in Basel, 1820

Ankunft der Zürcher Sektion in Basel, 1820

Die Zürcher stellten von Anfang an eine der grössten und aktivsten Sektionen der Schweizerischen Musikgesellschaft. Dem fünfköpfigen ersten Vorstand der Gesellschaft gehörten drei Zürcher an: Stadtrat von Escher als Kapellmeister, Staatsschreiber Landolt als Sekretär und Kaufmann J. Jakob Kramer als Bibliothekar. Hans Georg Nägeli war der zweite Präsident der Schweizerischen Musikgesellschaft. Die Zürcher organisierten mehrere Musikfeste der Schweizerischen Musikgesellschaft, darunter das letzte von 1867.

Ein Grossteil der Zürcher Mitglieder der Schweizerischen Musikgesellschaft waren auch Mitglied der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich (AMG), der damaligen Trägerin des Zürcher Konzertlebens. Die AMG widmete ihre Neujahrsblätter von 1812 und von 1823 bis 1829 den Reisen der Zürcher an die Musikfeste von Luzern (1808), Basel (1820), Lausanne (1823), Luzern (1824), St. Gallen (1825), Genf (1826), Bern (1827) und Neuenburg (1828).

In Erinnerung an die Hirsebreifahrt reisten die Zürcher 1820 mit einem Schiff nach Basel, mit einer bekränzten Leier auf dem Bug, 4 Kanonen, Musikinstrumenten und zahlreichen Getränken an Bord. Conradin Kreutzer komponierte eigens für diese Reise ein Orchesterstück (Die Schiffahrt).

Auf der Reise nach Lausanne führten die Zürcher erstmals eine weisse Seidenfahne mit sich, die sich heute im Besitz der AMG befindet und als Depot im Landesmuseum aufbewahrt wird. Im Reisebericht heisst es dazu: "Die meisterhaft ausgeführte Mahlerey auf dieser Fahne machte selbst dem Kunstverständigen Vergnügen. Auf der einen Seite ist die Stadt Zürich mit dem See abgebildet, und auf dessen Wellen der Delphinberittene Sängermeister Amphion, wie er, den Blick himmelwärts gerichtet, und den Mund zum Gesange öffnend, die Leyer schlägt, deren süsses Spiel, nach der Fabel, selbst das stumme Geschlecht der Fische in Entzücken setzte. Diese Abbildung trägt die Überschrift: 'Ut relevet miseri fatum, solitosque labores'. ... Auf der anderen Seite der Fahne erblickt man einen Lorbeerkranz, als Einfassung einer Leyer, nebst dem Schilde des Standeswappens mit der Aufschrift: Musica noster amor."
(Die Reise nach Lausanne, 12. Neujahrstück der allgemeinen Musik-Gesellschaft in Zürich 1824)

 

Quelle:

Neujahrsgeschenk von der Musikgesellschaft zur Deutschen Schule in Zürich, Zürich 1812
11.-17. Neujahrstück der allgemeinen Musik-Gesellschaft in Zürich, Zürich 1823-1829

 

Die Fahne der Zürcher Sektion

Die Fahne der Zürcher Sektion