Musikgesellschaft Gossau (ZH)


Notenbibliothek

Signatur: Mus MGG

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Druckschriften, Varia. - 1.3 m.
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Die Musikgesellschaft Gossau (ZH) wurde 1796 gegründet. Die etwa zehn Mitglieder kamen im Hause von Kantonsrat und Bezirksrichter Hans Jakob Weber in Ottikon zusammen. Dort standen ein kleines Orgelwerk und ein Basset. 1811 zählte die Musikgesellschaft 38 Mitglieder beiderlei Geschlechts, verschiedenen Standes und Alters. Dank der Unterstützung von Ratsherr und Bezirksgerichtspräsident Walder und von Johann Heinrich Egli verfügten sie über verschiedenste Musikinstrumente. Jedermann, der vor einer Kommission ein Gesangsexamen abgelegt hatte, konnte Mitglied der Musikgesellschaft werden. Da wegen Platzmangels Interessenten abgewiesen werden mussten, gelangte man an den Gemeinderat von Gossau mit dem Gesuch, in der Kirche proben zu dürfen und zu diesem Zweck auf eigene Kosten eine kleine Orgel aufzustellen. Am 9. November 1811 wurde in Trogen eine gebrauchte Orgel mit 11 Registern erworben, die erst nach heftiger Auseinandersetzung in der Gemeinde und durch Vermittlung des Kleinen Rats des Kantons Zürich im Frühjahr 1812 auf der Chorempore aufgestellt werden durfte. Dieses Instrument war eines der ersten, das seit Zwinglis Orgelverbot wieder in einer Zürcher Kirche Verwendung gefunden hat. Im Gegenzug musste die Musikgesellschaft nachstehende Verpflichtung eingehen: "Die Orgel soll niehmals bey dem öffentlichen Gottesdienste, sondern einzig bey Nachgesängen und Privat-Musiken und auch dann auf keine für eine Kirche ungeziemende und der Würde und Bestimmung eines der öffentlichen Gottesverehrung gewidmeten Gebäudes zuwiderlaufenden Weise, und niehmals bis nach gänzlich geendigtem Gottesdienste gebraucht, und auch das Orgelchor, damit niemand in der Andacht gestöhrt werde, während des Gottesdienstes verschlossen bleiben." Zudem wurde vereinbart, dass das Chor, die Orgel und die Musikbücher als unteilbares und unverkäufliches Eigentum zu betrachten seien und auch die Orgel nie veräussert werden dürfe, es sei denn sie werde durch eine kostbarere ersetzt. Zum Unterhalt der Orgel und zum Ankauf von Musikliteratur wurde ein Fonds gegründet. Die wöchentlichen Übungen wurden sonntag-abends auf der Chorempore abgehalten und dauerten mindestens zwei Stunden. Als Kapellmeister amtete zu Beginn Johannes Schaufelberger.

Im Jahr 1858 wurde die Musikgesellschaft Gossau aufgelöst. Das Inventar ergab ein Vermögen von Fr. 573.80. Die alte Orgel wurde 1821 in die neue Kirche übernommen, 1898 durch eine neue Orgel ersetzt. 2002 wurden im Kirchgemeindearchiv Gossau ZH Teile der Musikalienbibliothek entdeckt und der Zentralbibliothek Zürich übergeben.

 

Quelle:

Jakob, Friedrich, Der Orgelbau im Kanton Zürich, Bern 1969