Bestandesgeschichte

Der Stadtbibliothek wurden schon in ihrem Gründungsjahr 1629 einige Karten geschenkt. Es kamen weitere Kartengeschenke hinzu, die in die 1676 eingerichtete Kunstkammer eingegliedert wurden. Nach der Auflösung der Kunstkammer in den Jahren 1779 und 1783 wurden allerdings viele Karten an neu entstandene spezialisierte Institute der Stadt abgegeben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte die Stadtbibliothek mit der Schenkung des Sammlers Leonhard Ziegler (1782-1854) wieder in den Besitz eines bedeutenden Kartenbestandes. 1882 schenkte die Mathematisch-Militärische Gesellschaft den grössten Teil ihrer älteren Karten dem Kartenverein, der seinen umfangreichen Kartenbestand von rund 10'000 Kartenblättern schliesslich 1897 der Stadtbibliothek vermachte.

Im Vertrag mit dem Kartenverein verpflichtete sich die Stadtbibliothek, die Sammlung an einem geeigneten Ort, wo sie leicht benutzt werden konnte, aufzustellen, nach den nämlichen Gesichtspunkten zu verwalten wie ihre anderweitigen Sammlungen und sie in angemessener Weise zu äufnen.

Die Kartensammlung der jungen Zentralbibliothek Zürich setzte sich im Wesentlichen aus den Beständen der Stadtbibliothek zusammen, die mittlerweile schätzungsweise 15'000 Blätter umfassten. Hinzu kamen geologische Karten der Naturforschenden Gesellschaft.

Anfang der 30er Jahre wurde eine solide finanzielle Basis für die Kartenanschaffungen gelegt und ein Anschaffungsplan festgelegt: In erster Linie sollten die grossen modernen amtlichen Kartenwerke der europäischen Staaten erworben werden, daneben Karten der geographisch, wirtschaftlich und politisch wichtigen aussereuropäischen Gebiete und solche von morphologisch typischen Gegenden in Auswahl.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte ein Tauschabkommen zwischen der ZBZ und dem amerikanischen Staatsdepartement die Anschaffung von Kartenblättern fast aller Länder. 1952 schenkte die Eidgenössische Landestopographie infolge Platzmangels der Zentralbibliothek Zürich verschiedene topographische Kartenwerke europäischer Länder; insgesamt fast 7'500 Blätter.

Heute werden im Wesentlichen nur moderne Karten erworben, die dem Sammelgebiet der Zentralbibliothek entsprechen, also topographische Kartenwerke aller Länder, Übersichtskarten, Stadtpläne und in gewissen Fällen auch thematische Karten. Von alten Karten werden Faksimileausgaben gekauft, Originale nur in seltenen Fällen und auch dann nur, wenn es sich um zürcherische oder wichtige schweizerische Stücke handelt. Heute geht das Ziel dahin, von Europa topographische Karten bis zum Massstab 1:25'000 und von den übrigen Erdteilen, soweit es sinnvoll erscheint, bis zum Massstab 1:50'000 zu erwerben. Vollständig gesammelt werden als Kantonsbibliothek die Turicensia, d. h. die im Kanton Zürich erscheinenden und diesen betreffenden Karten, sehr weitgehend auch die Schweizer Karten.

Der Kartenbestand der Zentralbibliothek besteht aus über 310'000 Blättern. Dazu kommen etwa 3'000 Atlanten und 8'000 Bände kartographischer Literatur (Signaturen LKS, Atl und Kart).