Merki, Gottlieb (1874–1965)

Eingang: 1999

Provenienz: Hedwig Merki (1903–1999), Männedorf, Tochter des Künstlers.

Bestand: Rund 1‘100 Arbeiten auf Papier aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die frühen 1960-er Jahre. Knapp 900 Landschaften, Ortsansichten und Wiedergaben von Bauernhäusern und Burgen, überwiegend Bleistiftzeichnungen, aber auch Aquarelle, Feder-, Farbstift- und Kreidezeichnungen, vereinzelt auch Pastell oder Öl. Rund 50 Porträts, Figurenbilder und Karikaturen, 25 Blumen- und Pflanzenstudien sowie 130 Zeichnungen und Aquarelle diverser Inhalte (Tierdarstellungen, historische Szenen, Pilze, Ornamentwiedergaben, Trachten und Stillleben). 1 Exlibris Gottlieb Merki. Rund 70 Reproduktionen eigener Werke. Ein Umschlag mit Ansichts- und Glückwunschkarten, Zeugnisse der Sekundarschule Unterstrass in Zürich und des Zürcherischen Lehrerseminars in Küsnacht, Bürgerrechtsurkunde Männedorf, 2 Dienstbüchlein. 26 Werke anderer Kunstschaffender, darunter drei Zeichnungen von Léon Pétua, rund 30 Kunstdrucke. 20 Blumen-, Blätter- und Tierstudien von Elsa Merki, 34 Zeichnungen und Aquarelle (Porträts, Figurenbilder, Tier- und Pflanzenstudien) sowie 4 Skizzenbücher von Hedwig Merki.

Gottlieb Merki wurde 1874 in Wipkingen (Zürich) geboren und wuchs dort auf. In Unterstrass (Zürich) besuchte er die Sekundarschule. Am Zürcherischen Lehrerseminar in Küsnacht durchlief er 1890–1894 eine Ausbildung zum Primarlehrer. Um 1895 unterrichtete er in Dürnten, ab 1898 an der Elementarschule Männedorf, wo er bis zu seiner Pensionierung 1941 auch Zeichenunterricht erteilte. Aus der Ehe mit Berta Schlumpf von Mönchaltorf (1876–1949) 1899 gingen zwei Töchter hervor, die Klavierlehrerin Elsa Merki (1900–1992) und Hedwig Merki (1903–1999), 1923–1969 Primarlehrerin in Wädenswil.
1909–1913 war Gottlieb Merki Mitglied der kantonalen Fibelkommission und illustrierte um 1912 mehrere Schulbücher, wie «Mein erstes Schulbüchlein» und «Mein zweites Schulbuch» von Jean Frei. 1929 wurden seine drei «Lesebüchlein» vom Lehrmittelverlag des Kantons Zürich als empfohlenes Lehrmittel ins Programm aufgenommen. Seit 1905 gab er Zeichenvorlagen in kleinen Heftchen – die sogenannte «Volkszeichenschule», auch bekannt als «Merki’s Zeichenvorlagen» – heraus, die auch in einer französischen Version erschienen. Die acht, nach Schulstufen unterteilten Hefte wurden in wiederholten Überarbeitungen aufgelegt und 1943 vom Lehrmittelverlag ebenfalls als empfohlenes Lehrmittel für den Kanton Zürich aufgenommen. Er hielt zahlreiche Vorträge und Kurse zum Zeichenunterricht und beschäftigte sich intensiv mit dem von ihm so bezeichneten «Malenden Zeichnen» in der Elementarschule, auf welchem seine «Zeichenvorlagen» basierten.
Für die Kunsterziehungs-Kongresse in Dresden (1912) und Prag (1928) sowie für die Pestalozzi-Ausstellung in Zürich (1927) organisierte er Ausstellungen von Schülerzeichnungen. Im Juli 1932 nahm er als Zuhörer an der Tagung «Neues Zeichnen» am Internationalen Institut zum Studium der Jugendzeichnung in Zürich teil. Durch den Kontakt zu diesem Institut gelangten vermutlich Kinderzeichnungen aus dem Nachlass Merkis ins Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung. Sie illustrieren anschaulich die Unterrichtsmethoden von Gottlieb und Hedwig Merki zwischen 1904 und 1969 und bilden eine Ergänzung der Bestände der Zentralbibliothek und anderer Nachlassteile.
Parallel zur Unterrichtstätigkeit und nach seiner Pensionierung entstanden vor allem Landschaften, Ortsansichten und Wiedergaben von Bauernhöfen und Burgen in der Deutschschweiz. Sie dokumentieren in naturalistischer Wiedergabe die ländliche Schweiz und drücken die Verbundenheit des Künstlers mit seiner Heimat aus.

Weitere Teilnachlässe befinden sich im Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung, Zürich, im Uetiker Museum, Uetikon am See, im Schifffahrtmuseum in Männedorf und im Staatsarchiv des Kantons Zürich.

Eigene Schriften:
«Juhee ich kann lesen!», in: Sieben Antworten auf die Frage «Wie lehre ich Lesen», 5. Jahresheft der Elementar-Konferenz des Kantons Zürich, Winterthur, 1932, S. 24–35; Druckschrift-Fibel für das 1. Schuljahr, Wetzikon-Zürich, 1927; Ecole de dessin populaire, cahier 1–8, Männedorf 1917; «Programm und Stoffplan für den Zeichenunterricht in der Volksschule, 1.–3. Schuljahr», in: Das Schulzeichnen, 1. Jahrgang, Zürich, 1913; Mein zweites Schulbuch, verfasst von Jean Frei et al., Bilder von Gottlieb Merki, St. Gallen, um 1912; Mein erstes Schulbüchlein, 1 + 2 Teil, verfasst von Jean Frei et al., Bilder von Gottlieb Merki, St. Gallen [um 1912]; Zur st. gallischen Fibel-Frage, bearbeitet von Jean Frei, Adolf Schöbi, Ulrich Hilber, Karl Schöbi und Gottlieb Merki, St. Gallen 1910; Zeichen-Vorlagen für Schule und Haus (Das Zeichnen in der Elementarschule, Malendes Zeichnen in der Elementarschule, Das Skizzieren auf der Obern Primarschule), 8 Hefte, Männedorf 1905 ff.

Literatur: Anna Lehninger, Gottlieb Merki (1874–1965), Manuskript, [Zürich 2012]; Wn. [Jakob Weidmann], G. Merki. Volkszeichenschule. (Neue Folge des «Zeichnen in der Elementarschule».) Verlag: Herm. Bebie, Wetzikon (Zürich), in: Zeichnen und gestalten, 21, 1933, 3, S. 24.