Hunziker, Max (1901–1976)

Eingang: 2002

Bestand: 156 graphische Blätter (Hand-Zinkätzungen, Lithographien) in 327 Exemplaren aus den Jahren 1950–1976, 6 Skizzenbücher, rund 350 Zinkklischees zu Hunzikers Druckgraphiken.

Provenienz: Gertrude Hunziker-Fromm, Witwe des Künstlers.

Nach einer Ausbildung zum Lehrer, die der Vater Max Hunziker als jüngstem Sohn von zwölf Kindern ermöglichte, entschied er sich für die Malerei. Während seines Aufenthalts 1920–1925 in Florenz setzte sich Max Hunziker mit sakraler Kunst auseinander. Aufgrund eines Stipendiums durch den Unternehmer und Mäzen Georg Reinhart wurde ihm von 1927 bis 1939 ein längerer Aufenthalt in Frankreich (Paris, Arles, Saint-Antoine) ermöglicht. Er liess sich von Künstlern wie Paul Cézanne und Georges Rouault beeinflussen. Aber auch für die Glasmalerei in Paris, Chartres, Bourges und Le Mans interessierte er sich. Bis zu seiner Rückkehr 1939 nach Zürich hatte er als Maler (Öl, Tempera, Dispersion) und Grafiker (Handzeichnung, Rasterdruck, Aquatinta, Lithographie) gearbeitet. 1941 erhielt er anlässlich des Jubiläumsjahrs der Eidgenossenschaft von dem Kunsthistoriker Peter Meyer den Auftrag für die Zürcher Standesscheibe im Rathaus von Schwyz. Die Arbeit entstand zusammen mit der Glaswerkstatt Karl Ganz. Weitere öffentliche und private Aufträge ebenfalls mit Karl Ganz folgten. Ab 1943 machte er sich die Hand-Zinkätzung für sein künstlerisches Schaffen zu Nutze. Die Drucktechnik erlaubte kostengünstige graphische Drucke von Künstlerhand. Der Werkstoff Organglas (Polystyrol, leichter als Glas), mit dem Hunziker ab 1967 arbeitete, bot eine unbeschränkte Farbwahl, grössere homogene Scheiben und den Verzicht auf Bleiruten. Seine internationale Reputation gilt vor allem dem künstlerischen Werk, das er als Glasmaler schuf. Der Nachlass in der Graphischen Sammlung umfasst vorwiegend Arbeiten aus der zweiten Lebenshälfte Hunzikers. Besonders hervorzuheben sind die Hand-Zinkätzungen. Das Spektrum der Sujets erstreckt sich von der Walliser Berglandschaft bis zu alttestamentarischen Themen. Die alltäglichen Gegenstände in Hunzikers Bildern wirken oft symbolisch und sind poetisch inszeniert. Die Zinkklischees aus seiner Werkstatt ermöglichen einen Einblick in das Verfahren der Hand-Zinkätzung. Die Platten für die Handätzungen zu Grimmelshausens «Simplicissimus» für die Büchergilde Gutenberg von 1945 sind vollständig vorhanden.

Literatur: Stefanie Faccani-Baumann, «Hunziker, Max», in: www.sikart.ch; Max Hunziker, Sinnbilder der Zuversicht. Zwölf Handätzungen zu Grimmelshausens «Simplicius Simplicissimus», mit einer Einführung von Martin Bircher, Zürich 2005; Ernst H. Gombrich, «Vom Ethos in der Bildenden Kunst», in: Librarium, Jg. 44, 2001, 1, S. 67–69; F. Carlo Schmid, «Der Buchkünstler Max Hunziker (1901–1976). Zum hundertsten Geburtstag», in: Librarium, Jg. 44, 2001, 1, S. 34–67; «Verzeichnis der von Max Hunziker illustrierten Bücher», in: Librarium, Jg. 44, 2001, 1, S. 69–71; Pierre Walter Müller, Max Hunziker. Malereien, Zeichnungen, Glasmalereien, Zürich, 1963.

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