Else Lasker-Schüler schreibt an Hugo May und Kurt Ittmann

7. Juli 34

Sehr liebwertester Herr May und Herr liebwertester Herr Itmann. Ich wollt Sie schnell, da meine Füllfeder kaput, mit meiner sich entschuldigenden Bleistift was fragen. – Der Herr Podpielsky von dem ich erzählte, (der Enkel des grossen Generals etc. Dessen Vater von ihm zur Liebe seiner Mama – Jude wurde.) würde so gern bei Ihnen – etwa in der Buchabteilung oder in den oberen Räumen irgend angestellt sein. Er macht auf mich vom ersten Moment an, sehr sehr guten Eindruck. Und hat Manier wie wir. Und aber, dass darum keiner seine Stellung verliert. Das würde ihn sehr weh tun. Er ist 20 Jahre alt, sieht gut aus. Er heisst Gert (nun) André Podbielski. Ginge es? Oder was anderes. Also ich finde ihn sehr vertrauenerweckend. Montag werde ich zu Herrn Br. gehn.

Ihr Prinz Jussuf

Ich klingele an.


Die Adressaten Hugo May, 1887-1958, und Kurt Ittmann, 1896-1974, waren die Direktoren des Warenhauses Brann an der Zürcher Bahnhofstrasse, wo später und bis vor kurzem Manor eingemietet war. Die beiden Mäzene unterstützten Else Lasker-Schüler, 1869 in Elberfeld geboren und 1945 in Jerusalem gestorben, während ihrer Schweizer Exiljahre 1933 bis 1939 mit monatlichen Zuwendungen. Zum Dank verfasste die Dichterin einen Band mit 36 Gedichten, den sie Hugo May 1936 schenkte. Die Sammelhandschrift, nun im Besitz der ZB, wurde erst 2013 bekannt. Sie ist nach Umfang und Qualität die bedeutendste von Lasker-Schüler, weil sie einen von ihr selbst getroffenen Querschnitt über ihr ganzes Schaffen bietet. Inzwischen liegt der Band auch als Faksimile-Edition vor.

Mehr digitalisierte Briefe von Else Lasker-Schüler finden Sie auf e-manuscripta.


Liedflugschriften

Schon immer haben Menschen Lieder gesungen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begannen geschäftstüchtige Drucker damit, Lieder zu vermarkten, indem sie Liedtexte mit bekannten Melodien in Form von kleinformatigen, wenige Seiten umfassenden Drucken herausgaben. Diese Drucke werden als Liedflugschriften bezeichnet. Da sie nicht fürs Bücherregal, sondern für den praktischen Gebrauch im Kreis der Singenden bestimmt waren, sind die meisten von ihnen nicht überliefert. Mit fast 750 deutschsprachigen Liedflugschriften des 16. bis 18. Jahrhunderts verfügt die Zentralbibliothek Zürich über einen relativ grossen Bestand. Das breite Spektrum der Liedtexte umfasst geistliche, historische und politische Lieder genauso wie Liebes- und Zeitungslieder.

Die Liedflugschriften können in der Abteilung Alte Drucke und Rara oder während Schliessung wegen COVID-19 auf der Plattform e-rara.ch eingesehen werden.

Zum Tag der Frau, 8. März 2020

Ulrike Ottinger: Freak Orlando (1981)Ulrike Ottinger verstehe das Kino als eine Kunst, «die durch Begegnung mit anderen Menschen, Objekten, Büchern, Orten und Kulissen entstehe, in denen sich die Realität bemerkbar macht», steht in der Begründung der Goldenen Berlinale-Kamera 2020.

Den Ehrenpreis an Personen, die sich ums Filmschaffen besonders verdient gemacht haben, hat Ottinger, die Europas Filmszene mit unvergesslichen Werken wie «Freak Orlando», «Prater» und «Chamissos Schatten» seit 50 Jahren mitprägt, mehr als verdient.

Ihr neuster Film, «Paris Calligrammes», ist in den Schweizer Kinos (noch) nicht zu sehen. Doch die Zentralbibliothek hat unlängst einige ihrer wichtigsten Werke auf DVD angeschafft. Sie besitzt zudem etliche Bücher von und über Ottinger, in deren Schaffen sich die Neugierde auf Fremdes – Menschen, Länder, Landschaften – ebenso spiegelt, wie ihre Lust am Spiel mit der Phantasie und ihr Selbstverständnis als Frau.

e-Thek

Die e-Thek ist ein digitales Angebot der Zentralbibliothek Zürich sowie der Mediotheken von Deutschschweizer Mittel- und Berufsfachschulen. Das deutschsprachige Angebot enthält Sachbücher für die Sekundarstufe II, Belletristik, Audiobooks, Zeitungen und Zeitschriften. Das englischsprachige Angebot enthält vorerst Belletristik und Sekundärliteratur zu ausgewählten Titeln.

Alle Medien der e-Thek können Sie via Smartphone, Tablet oder Desktop lesen oder hören. Für die Nutzung auf Tablet oder Smartphone gibt es zwei verschiedene Apps:

• «Onleihe» für das deutschsprachige Angebot (Google Play / App Store)

• «Libby» für das englischsprachige Angebot (Google Play / App Store)

Innerhalb der App wählen Sie Ihre Stammbibliothek aus und melden sich mit Ihren Zugangsdaten an.

Die Inhalte stehen allen Benutzenden der teilnehmenden Bibliotheken kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung. Sie benötigen lediglich einen gültigen Benutzungsausweis. Für die Erstanmeldung wenden Sie sich bitte an unseren Infoschalter.

Hilfe gegen die Schreibkrise

Einen wissenschaftlichen Text zu schreiben ist eine Herausforderung. Zuerst muss eine spannende Fragestellung erarbeitet werden. Dann sollen die Gedanken strukturiert und verständlich wiedergegeben werden. Und schliesslich geht es darum, die verwendete Literatur fachgerecht zu zitieren.

Da bekanntlich kein Meister vom Himmel fällt, finden Sie in unserem Bestand eine Fülle unterstützender Literatur zu Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens. Sie können die Auswahl für Ihr Studienfach verfeinern, zum Beispiel Wirtschaftswissenschaft oder Psychologie.

Die Zürcher Seegfrörni von 1891

Photochrom der 23. Zürcher Seegfrörni von 1891.

Die erste nachgewiesene Seegfrörni des Zürichsees geht auf das Jahr 1233 zurück. Bis 1891 fror der See weitere 23 Mal zu – zuletzt 1963. Die Seegfrörni von 1891 wurde zu einem grossen Volksfest. Am 15. Februar zählte die NZZ 60'000 Menschen.

Das Photochrom gibt einen Eindruck von der grossen Menschenmenge. Am linken Rand reinigt ein Mann die Eisfläche für die Schlittschuhläufer vom Schnee. Links der Bildmitte ist ein Pferdeschlitten sichtbar, am rechten Bildrand sind Wirtschaftsbuden aufgebaut. Abends sollen Lampions, Fackeln und Torffeuer die Szenerie erleuchtet haben. Man errichtete Kegelbahnen, Feuerwerk wurde abgebrannt. 1891 waren Frauen auf Schlittschuhen ein Novum. Noch 1880 hatte dies als sittenwidrig gegolten.

Bei der Technik des Photochromdrucks handelt es sich um eine Farblithografie, die auf einer Fotografie beruht. Die Firma Photoglob produzierte zwischen 1889 und 1914 diese Blätter massenhaft. Die Jahresproduktion schenkte sie der damaligen Stadtbibliothek. So entstand eine Sammlung von rund 10'000 Photochroms.

Die Photochroms gehören zum historischen Bestand der Graphischen Sammlung und sind im Rechercheportal samt Bild abrufbar.

50 Magazine in der Hosentasche

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Unsere beliebteste Komponistin

Der Nachlass von Maria Herz (1878–1950) ist gegenwärtig sehr gefragt.

Niemand kannte mehr den Namen Maria Herz, als ihre Kompositionen 2015 der ZB übergeben wurden. Sie hatte einst im Köln der Zwischenkriegszeit Erfolge gefeiert. Mit ihrer expressionistischen Tonsprache am Puls der Zeit, wurden ihre Werke u.a. im Kölner Gürzenich aufgeführt. Privat verkehrte sie mit der künstlerischen Elite der Stadt, der Dirigent Otto Klemperer ging bei ihr ein und aus. 1934 flüchtete sie, als Jüdin verfolgt, nach England und schliesslich in die USA, ihre Musik geriet in Vergessenheit. Nun wird Maria Herz neu entdeckt. Ihre Werke wurden 2019 u.a. in Potsdam, Köln, Dortmund, Essen und in der Zürcher Tonhalle aufgeführt. Für 2020 sind Sendungen bei Deutschlandfunk Kultur und Radio SRF geplant, der SRF-Kulturclub wird zudem ein Porträt-Konzert in Zürich begleiten.

Der Nachlass von Maria Herz ist in Zbcollections verzeichnet.