Gelehrte Mönche im Kloster Rheinau

Inkunabeln, Drucke und Handschriften

Inkunabeln, Drucke und Handschriften

Ausstellung im Predigerchor der Zentralbibliothek vom 21. August 2009 bis 27. Februar 2010

Museum des Monats September 2009

Die Zentralbibliothek Zürich wurde mit dieser Ausstellung vom Verein Zürcher Museen zum Museum des Monats September 2009 gewählt.

1864 wurde die Bibliothek des Klosters Rheinau aufgelöst und ein grosser Teil der Hand- und Druckschriften in die Zürcher Kantonsbibliothek überführt. Unter den im Kloster gesammelten 270 mittelalterlichen Codices, den nahezu 1'000 neuzeitlichen Handschriften und den ungefähr 13'000 Drucken befinden sich manche Schätze, die in dieser Ausstellung erstmals einem breiteren Publikum gezeigt werden. Das Schwergewicht der Ausstellung liegt auf den Beständen des 15. bis 19. Jahrhunderts, nachdem die ZB 2003 bereits die mittelalterlichen Handschriften präsentiert hatte.

Zu den Preziosen der Rheinauer Bibliothek gehören nicht zuletzt die rund 300 Druckschriften, die vor 1500 gedruckt worden sind und aus der Anfangszeit des Buchdrucks stammen (sog. Inkunabeln). Darunter befinden sich Titel für den Schulunterricht sowie aus verschiedenen Bereichen des mönchischen Lebens und der Theologie. Bei sechs Inkunabeln handelt es sich sogar um Unikate, andere zeichnen sich durch ästhetisch ansprechende Buchmalereien aus. Diese frühen Drucke wurden im Kloster Rheinau bereits im 18. Jahrhundert speziell kategorisiert und von Pater Blasius Hauntinger (1762–1826) katalogisiert.

Während in der mittelalterlichen Klosterbibliothek theologische Werke überwogen, treten unter den frühneuzeitlichen Titeln die historischen Fächer in den Vordergrund. Der Bestand an Liturgica, Stunden- und Gebetbüchern wurde zwar weiterhin gepflegt, doch widmeten sich die Mönche neben Philosophie, Theologie und Kirchenrecht vor allem der Kirchen-, Kloster-, Adels-, Lokal- und Schweizergeschichte, der Hagiographie, Genealogie, Heraldik, Numismatik sowie den Naturwissenschaften. Besondere Beachtung verdient dabei die bis anhin unbekannte Privatbibliothek des Konventualen Georg Sebastian Harzer von Salenstein (gest. 1611) aus Konstanz, die er dem Kloster vermachte.

Die Ausstellung vermittelt zudem erstmals Einblicke in das klösterliche Schulleben, wobei den Schülerdramen spezielle Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Die unerforschten Rechnunungsbücher der Äbte lassen nicht nur Rückschlüsse auf den Speiseplan der Mönche zu, sondern auch auf die Ausgaben und die Pflege der Bibliothek, die mit Hilfe moderner Computergrafik zweidimensional rekonstruiert worden ist. Eine weitere Premiere stellt die Präsentation verschollener Musikfragmente aus Rheinau dar, die während der Restauration der Orgel von 1988 bis 1991 ans Licht gekommen sind. Eine Auswahl an Ansichten spürt der verschiedenartigen bildlichen Darstellung des Klosters seit dem 16. Jahrhundert nach, und aus den Güterplänen des 18. Jahrhunderts lassen sich Rückschlüsse auf die landwirtschaftliche Nutzung und die Besitzverhältnisse innerhalb des damaligen Rheinauer Banns ziehen.

 

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 13–17 Uhr, Samstag von 13–16 Uhr. Eintritt frei.
Führungen jeweils freitags, 13 Uhr.

Rahmenprogramm/Referate (pdf) →
Programm der Freitagsführungen (pdf) →

 

 

Ausstellungskonzept: Christian Scheidegger