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33/2018

Die Grafik, welche in der Arbeiterzeitschrift Neuer Postillon 1898 abgedruckt wurde, zeigt eindrücklich den tiefen gesellschaftlichen Riss, der durch den jungen Schweizer Staat ging. Die Adaption von Konrad Grobs Gemälde "Die Schlacht bei Sempach" erläutert die Perspektive der Arbeiterschaft auf die Soziale Frage und verbindet sie mit dem alten Schweizer Schlachtmythos. Die Arbeiter inszenieren sich als tapfere und moralisch integre Eidgenossen, die dem dekadenten habsburgischen Ritterheer im Kampfe gegenüberstehen.
Dieses Dokument hilft die Soziale Frage und die damit einhergehenden Proteste in der Schweiz besser zu verstehen. Obwohl sich die Geschichte des Arbeitskampfs in der Schweiz im kollektiven Gedächtnis zumeist auf den Generalstreik verkürzt, zeigt das Dokument, dass die Zeichen zwischen Kapital und Arbeit bereits 20 Jahre früher auf Eskalation standen.
Die Forderungen, die das Oltener Aktionskomitee – welchem auch der in Wald ZH geborene Robert Grimm angehörte – stellte, haben heute an revolutionärem Klang, nicht jedoch an Wirkung eingebüsst: Als Beispiele wären die Wahl des Nationalrats nach Proporz, das Frauenstimmrecht und die staatliche Alters- und Invalidenversicherung zu nennen, die nicht mehr als "Linke Politik" gelten, sondern zum politischen Selbstverständnis der heutigen Schweiz gehören.

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt ein umfassendes Angebot von Quellen und Sekundärliteratur, die es erlaubt, die Geschichte des Generalstreiks und der Arbeiterbewegung nachvollziehen zu können. Besonders erwähnenswert ist die Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung (SGA), die als Schenkung 2001 in die Zentralbibliothek gelangte. In der «Studienbibliothek» sind u.a. Klein- und Tarnschriften der Linken zu finden, nach denen man in den durch Nationalsozialismus und Krieg zerstörten Beständen europäischer Bibliotheken vergeblich sucht. Sämtliche Titel der Studienbibliothek können über das Rechercheportal abgesucht werden.