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10/2018

„Wenn ein Indianer  heirathen will, so geht er in Begleitung seiner Aeltern in das Haus des Gegenstandes seiner Wahl, indem er vier Flaschen Aguardiente und zehn Pesos mitbringt”, schreibt der zuletzt in Zürich tätige Otto Stoll in seinen Reiseschilderungen. Vor 140 Jahren, anno 1878, reiste er für fünf Jahre nach Guatemala. Dort praktizierte er, nach Mettmenstetten, Zürich und Klosters als Arzt, sammelte Vögel, Insekten und Schnecken und studierte gleich noch die Ethnien des Landes, deren Sprachen, Arbeit auf den Kakao-, Kaffee- und Tabakplantagen oder kulturellen Gepflogenheiten bei Geburt, Heirat, Tod.

Zurück in Zürich lehrte Stoll Ethnografie, Anthropologie und Geografie an der Universität und am Polytechnikum. Als Mitbegründer der Ethnographischen Gesellschaft 1888 und erster Direktor der Sammlung für Völkerkunde in Zürich prägte er in den Folgejahren die Ethnologie. In logischer Konsequenz wurde er 1895 erster Professor für Geografie unter Einbezug der Völkerkunde an der Universität Zürich. Nur drei Jahre später verlagerte er aber sein Tun auf die Tierwelt und waltete 21 Jahre als Konservator für Säugetiere und Vögel am Zoologischen Museum der Universität Zürich, das er durch diverse Schenkungen bereicherte.

Auch in der ZB finden sich Stolls vielfältige Spuren: seine eigenen Publikationen und Materialien dazu, sowie Vorlesungsnotizen, Zeitungsausschnitte oder historische Fotos. Aufschlussreich sind auch die gut 300 Titel seiner Privatbibliothek, die grossteils unter der sprechenden Signatur "Stoll" verwaltet und in den ZB-Lesesälen eingesehen werden können.

Für weitere Fragen steht Ihnen gerne die Fachreferentin für Ethnologie Franziska Lombardi zur Verfügung.