Schweitzer, Albert (1875–1965)


Theologe, Arzt, Musiker

Albert Schweitzer, 1928

Albert Schweitzer, 1928 (Nachl. A. Schweitzer, Materialien aus der Bibliothek Erwin R. Jacobi 503)

Signatur: Nachl. A. Schweitzer

Materialien zum Werk, Arbeiten, Lebenserinnerungen, Notizbücher, Reden, Vorträge, Vorarbeiten, Vorlesungsmanuskripte, Werke. - 12 m.

Nachlassverzeichnisse (pdf):
Nachl. A. Schweitzer dossiers 1-43
Nachl. A. Schweitzer sacs 1-76
Nachl. A. Schweitzer ERJ 301-304, 312-315, 401-413, 501-512, 601-610, 701-776
Nachl. A. Schweitzer Verzeichnis der Dokumentationsausgabe des Nachlasses von J. Zürcher


Der am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Elsass geborene Albert Schweitzer pflegte intensive Beziehungen zur Schweiz. Die Schweiz verdankt Albert Schweitzer viel und ehrte ihn auch entsprechend.

Auf Anregung von Charles-Marie Widor schrieb er das 1905 erschienene Buch «J. S. Bach, le musicien-poète». Albert Schweitzers Bach-Buch prägte das schweizerische Musikleben entscheidend.

1906 führte Schweitzer im Elsass eine Orgelreform ein; die Orgelkultur der Schweiz orientierte sich an Schweitzer und der Elsässer Tradition und nicht an der deutschen; Schweitzer wurde als Orgelexperte beigezogen, so in St. Johann in Schaffhausen und im Basler Münster.

Die Internationale Bach-Gesellschaft in Schaffhausen gab als Jahresgabe 1974/75 den Tübinger Vortrag von E.R. Jacobi heraus: Albert Schweitzer und die Musik, Wiesbaden, Breitkopf & Härtel, 1975.

1920 ernannte ihn die Universität Zürich zum Ehrendoktor und bot ihm 1921 eine Professur an (Nachfolge Leonhard Ragaz), die er jedoch zugunsten seines Werkes in Lambarene ausschlug.

1928 unternahm er Vortrags- und Konzertreisen in die Schweiz, in Deutschland und der Tschechoslowakei.

Im April/Mai 1936 gab Schweitzer 21 Konzerte in der Schweiz.

Am 30. Oktober 1953 erhielt er rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1952. Das Preisgeld ermöglichte ihm die Fertigstellung des Lepradorfes «Village lumière» in Lambarene. 1954 Rückkehr für sechs Monate nach Europa. Am 4. November hielt er anlässlich der Übergabe des Nobelpreises in Oslo seine Rede über «Das Problem des Friedens in der heutigen Welt».

Pressemeldung der Zentralbibliothek Zürich in der Mittagsausgabe der NZZ vom 23. November 1971:

«Aus dem Nachlass des Friedensnobelpreisträgers und Arztes Albert Schweitzer wurden der Zentralbibliothek Zürich kürzlich 22 Dossiers von Frau Rhena Schweitzer übergeben. Diese Teile des Nachlasses bestehen im wesentlichen aus handschriftlichen und maschinengeschriebenen Skizzen und Entwürfen aus der Zeit von 1904 bis zum Beginn der sechziger Jahre. Die Manuskripte umfassen alle grösseren wissenschaftlichen Arbeitsbereiche Schweitzers: die religions- und kulturphilosophischen Schriften, Arbeiten über Bach und die Orgelbaukunst sowie seIne berühmt gewordenen Appelle zur Abschaffung der Atom- und Wasserstoffbomben. Neben Günsbach im Elsass besitzt Zürich nun die wichtigsten Nachlassschriften Schweitzers.»

Der Stiftungszweck der Stiftung Albert-Schweitzer-Zentrum, Günsbach, konzentriert sich auf die Sammlung von Schweitzers Korrespondenz, wovon sich im ZB-Depot viele Kopien befinden.

Inzwischen sind die «Dossiers» in der Zentralbibliothek Zürich auf die Zahl von 43 angewachsen, von den Nachlassverwaltern in einem 66-seitigen Verzeichnis aufgelistet; neu dazu gekommen sind die «Sacs», deren 76 an der Zahl und mit einem 38-seitigen Verzeichnis. Dazu kommen rund 200 Predigten in 25 Paketen. «Dossiers» und «Sacs» entsprechen der ursprünglichen Aufbewahrungsweise, wie sie Schweitzer in Lambarene pflegte (nur die Leinensäcke fehlen). Zusätzlich hütet die Zentralbibliothek Zürich den Teilnachlass Erwin R. Jacobi, Albert Schweitzer betreffend.

Die Dokumente in der Zentralbibliothek Zürich dienen als Grundlage für die Herausgabe der «Werke aus dem Nachlass im Verlag C.H.Beck». Die jüngsten, 2001 bis 2005 erschienenen Bände «Kultur und Ethik in den Weltreligionen», «Geschichte des chinesischen Denkens» und «Wir Epigonen. Kultur und Kulturstaat» stellen die Aktualität von Schweitzers Denken anschaulich unter Beweis.

Dass von einer das 20. Jahrhundert massgeblich prägenden Persönlichkeit der schriftliche Nachlass fast in seiner Gesamtheit an einem Ort aufbewahrt wird, ist ein ungewöhnlicher Ausnahmefall. Den imposanten Werkzusammenhang gilt es zu erhalten.