Zürich im späten 19. Jh.

Vue générale de Zurich prise de la Weid
Aquatinta
Zurich: chez H. Appenzeller editeur, [1884?]

Vue générale de Zurich prise de la Weid Aquatinta Zurich: chez H. Appenzeller editeur, [1884?]

August Adolf Follen: Auch ein Schweizer Heimweh

Festgebannt ans Land der Prose
Wo mir jede Hoffnung welkt
Und die Zeit aus dürrem Schosse
Langeweile nur mir melkt –

Festgebannt ans Land der Prose
Wie ans warme Bett der Floh
Wo die Poesie, die Rose
Scheu zu kahlen Alpen floh –

Wo sie langsam, wie die Schnecken
Mit dem Haus spazieren gehen
Und die Hörner gleich verstecken,
Wenn sie eine Mücke sehn –

Wo die Freiheit in der Tasche
Stets ihr grimmig Fäustchen hält,
Zitternd schon wenn eine Masche
An dem Staatenstrumpfe fällt –

Wo der Muth der Freiheitsknechte
Heimlich Schlachtparole gab:
Dass man für die Freiheit fechte
Tapfer – mit dem Bettelstab – :

Hier, ach hier nun soll ich bleiben
In dem abgestandnen Land,
Hier die kalten Hände reiben
Harrend auf des Geistes Brand?!

Herz, mein Herz, mit Recht sehr traurig!
Nach den M e n s c h e n steht mein Sinn;
H i e r verkäs‘ ich, hier verbaur‘ ich
Bis ich selber Made bin.

Sonneck, bei Zürich,
10. Novbr. 1844