Theo Pinkus

Plakat zur Pinkus-Ausstellung

Ausstellung im Katalogsaal der Zentralbibliothek Zürich vom 18. August bis 19. Dezember 2009

Buchhändler Kommunist Querdenker 1909-1991

Der 1909 in Zürich geborene Sohn einer aus Breslau zugewanderten jüdischen Familie zog aus den politischen und literarischen Neigungen der Eltern erste Inspirationen zu seinem Berufswunsch, Buchhändler und Verleger zu werden. Als Verlagslehrling bei Ernst Rowohlt in Berlin und als Mitarbeiter des kommunistischen Propagandisten Willi Münzenberg erlebte er die letzten Jahre der Weimarer Republik in Berlin, das er 1933, wenige Wochen nach dem Reichtagsbrand, verlassen musste, nachdem ihm die Polizei bei einer Hausdurchsuchung den Pass abgenommen hatte.

Zurück in Zürich stürzte er sich als Mitglied der kleinen Kommunistischen Partei der Schweiz in die politische Agitation vor Ort. Als Mitarbeiter der von Moskau kontrollierten Nachrichtenagentur „RUNA“ blieb er in engem Kontakt mit der Kommunistischen Internationale. Zugleich engagierte er sich in der Gewerkschafts- und Kulturarbeit, bei den Naturfreunden und war für die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“, der späteren „Volksillustrierten“ tätig. Der umtriebige Aktivist zog den Verdacht der Schweizer Bundespolizei auf sich. Dennoch übergab man ihm im Frühjahr 1939, als sich die politische Schweiz im Antifaschismus zusammenfand, die Programmredaktion der „Landi“-Zeitung. Nicht erstaunlich ist, dass der Querdenker Pinkus, der in seiner Zusammenarbeit mit Vertretern verschiedener Strömungen der politischen Linken undogmatisch und in seinen hartnäckigen An¬sprüchen an sie unbequem war, 1942 aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde.

1940 gründete Theo Pinkus an der Froschaugasse 17 einen Büchersuchdienst. 1948 kam die auf Sozialismus und Arbeiterbewegung spezialisierte Buchhandlung an der Predigergasse 7 hinzu, die für die Linke in Zürich während Jahrzehnten ein Begegnungsort war. Von 1948 bis 1987 gab er als linkes Diskussionsforum die Wochenzeitschrift „Zeitdienst“ heraus. Um den Dokumentenband „Schweizerische Arbeiterbewegung“ erscheinen zu lassen, übergab er 1974 seinen Limmat Verlag an die Autorengruppe. 1971 initiierte Pinkus „Salecina“, ein selbstverwaltetes Ferienhaus- und Zentrum für politische Seminare in Maloja. In alle diesen Aktivitäten war ihm seine Frau Amalie Pinkus-De Sassi wichtige Begleiterin und Stütze.

Ihrem unverbrüchlichen Glauben an die Wirkung des geschriebenen Wortes bauten sich Theo und Amalie Pinkus mit der „Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung“, die sie in eine Stiftung überführten, ein Denkmal. Die 50’000 Titel umfassende Sammlung, das eigentliche Lebenswerk des legendären Zürcher Ehepaares, ging im Jahr 2000 zusammen mit der vorwiegend belletristischen Privatbibliothek und dem Nachlass Pinkus in die Zentralbibliothek Zürich.
 

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