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Mai 2010

  • Donnerstag, 27. Mai 2010

    Kostbare Drucke der Schweizer Bibliotheken als Volltexte im Internet frei zugänglich

E-Rara.ch: Die Plattform für Alte Drucke in der Schweiz

Seit heute sind kostbare Drucke der Schweizer Bibliotheken auf der neuen Plattform e-rara.ch im Internet einsehbar. Das Angebot umfasst über 800 wertvolle Bücher aus dem 16. bis ins 19. Jahrhundert. Bis Ende 2011 wird die Plattform auf mehrere tausend Titel ausgebaut. 

Wertvolle Bücher aus Schweizer Bibliotheken sind begehrt. Jährlich kommen Forschende aus aller Welt in die Schweiz, um diese Drucke zu studieren. Fast täglich erhalten die Bibliotheken Anfragen nach Kopien dieser interessanten Quellen. Viele Wissenschaftler sind bei ihrer Quellenrecherche auf diese seltenen Werke angewiesen. Daher bedeutet der Zugang über das Internet eine enorme Erleichterung für die nationale und internationale Forschung. Aber auch interessierte Laien werden von einem solchen Angebot profitieren. Mit e-rara.ch machen Schweizer Bibliotheken ihre bibliophilen Kostbarkeiten per Mausklick verfügbar und schaffen so einen neuen Zugang zum gedruckten Kulturerbe.

E-rara.ch ist ein nationales Gemeinschaftsprojekt des Schweizer Innovations- und Kooperationsprogramms «E-lib.ch: Elektronische Bibliothek Schweiz». Kooperations­partner sind die Bibliothèque de Genève, die ETH-Bibliothek Zürich, die Universitätsbibliothek Basel, die Universitätsbibliothek Bern und die Zentralbibliothek Zürich. Die Partner digitalisieren die Bücher mit modernsten Technologien an ihren Standorten. Die Projektleitung sowie Hosting und Betrieb der Plattform liegen bei der ETH-Bibliothek. Als erster Schwerpunkt werden die Schweizer Drucke des 16. Jahrhunderts veröffentlicht. Die Plattform dient auch als Gefäss für alle digitalisierten alten Drucke – von den Anfängen des Buchdrucks bis etwa 1900 – aus Schweizer Bibliotheken. Die Plattform soll bis zum Ende des Projekts mehr als 10‘000 Titel und damit rund 2.5 Mio. Seiten umfassen und wird nach 2011 kontinuierlich erweitert.

Goldenes Zeitalter des Buchdrucks

Der Schwerpunkt der ersten digitalisierten Werke liegt auf dem 16. Jahrhundert. Es gilt mit seinen Bibelausgaben, Prachtdrucken, Kartenwerken, Reformations- und Flugschriften als das «goldene Zeitalter» des Schweizer Buchdrucks. Während die Basler Drucke zu Themen wie Humanismus, Medizin (Vesal, Paracelsus) und antiken Klassikern in der europäischen Geistesgeschichte eine wichtige Rolle spielten, waren die Zürcher und Genfer Drucke für die Reformation (Zwingli, Bullinger, Calvin, usw.) und deren internationale Rezeption besonders bedeutungsvoll.

Bedeutung von e-rara.ch

Schon seit Jahren hegen die Schweizer Bibliotheken den Wunsch, ihre alten Drucke koordiniert zu digitalisieren, aber bisher fehlte es an Ressourcen und konkreten Initiativen. «Die Schweiz ist in Sachen Digitalisierung im internationalen Vergleich im Rückstand. In Deutschland werden ähnliche Projekte mit Millionenbudgets gefördert», so Projektleiterin Franziska Geisser von der ETH Zürich. «Mit e-rara.ch gelingt es aber, diesen Rückstand schnell wettzumachen – zumal auch weitere Bibliotheken Interesse an diesem Projekt haben.» E-rara.ch ist die erste nationale Initiative dieser Art, die über die Sprachgrenzen hinweg Schweizer Kulturgut dauerhaft auffindbar und verfügbar macht.

Hoher Qualitätsanspruch

Die Kooperationspartner waren sich einig, dass die neue Plattform höchste Qualitätsansprüche erfüllen muss. Die digitalisierten Drucke stehen in einer Auflösung von 300 dpi bereit und sind damit am Bildschirm gut lesbar – fast so, als hätte man das Original in Händen. Da eine Volltextsuche auf Grund der alten Schrifttypen keine befriedigenden Resultate liefern würde, wurde die Suche strukturiert. Kapitelüberschriften, Inhaltsverzeichnisse und Angaben über Illustrationen erleichtern die Suche und Navigation. Ganze Bücher und einzelne Kapitel lassen sich im PDF-Format kostenlos herunterladen