Clementine Stockar-Escher

Clementine Stockar-Escher wurde 1816 in Zürich geboren, wo sie 1886 siebzigjährig starb. Ihr Gesamtwerk umfasst über 800 Blätter, darunter etwa 600 Aquarelle. Rund ein Viertel davon befindet sich in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. Stockar-Escher war Aquarellistin und Zeichnerin. Sie malte Stillleben, später entstanden auch Bildnisse und Genrebilder. Zu ihren Stillleben mit Blumen, Früchten und Vögeln wurde sie durch die Gewächshäuser, Parkanlagen und Blumenbeete angeregt, die ihr Vater Heinrich Escher-Zollikofer im «Belvoirpark» angelegt hatte. Als Kaufmann in Amerika vermögend geworden, liess er 1826–1831 in Enge (Zürich) das Landgut «Belvoir» erbauen. 1819 wurde Clementines Bruder Alfred geboren, der nachmalige bedeutende Vertreter des Wirtschaftsliberalismus und Eisenbahnpionier. 1837 heiratete Clementine Escher Kaspar Stockar, Ingenieur am Bergwerk Käpfnach. 1839 wurde Armin, 1842 Egbert geboren. 1840 bis 1885 nahm Stockar-Escher regelmässig an den Turnusausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins teil, 1847 bis 1872 auch an den Ausstellungen der Künstlergesellschaft in Zürich. 1883 war sie an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich vertreten.
Die in ihrer Distanziertheit aristokratisch anmutenden Porträts und die gefälligen Genrebilder sind von Franz Xaver Winterhalter beeinflusst. Dieser beim europäischen Adel beliebte Porträtist unterrichtete Stockar-Escher während seiner Zürcher Aufenthalte. Gottfried Keller nahm anlässlich der Schweizerischen Kunst-Ausstellung 1846 in Zürich pointiert zugunsten von Stockar-Escher Stellung: Sie beschäme mit ihren vortrefflichen Werken «eine ganze Masse von Sudlern». Die Künstlerin porträtierte vor allem Zürcher Persönlichkeiten, Verwandte und Freunde. Richard Wagner, der 1853–1857 bei der Familie Stockar-Escher zur Miete wohnte, schrieb 1853 nach Dresden, er lasse sich derzeit von einer «hiesigen Portraitiererin, einer wirklich sehr geistreichen und geübten Aquarellmalerin», malen. Mehrere Male hielt sie auch ihren Bruder Alfred, den sie sehr verehrte, im Bild fest. Die «Eidgenössische Zeitung» urteilte 1850 lobend: «Das Bildnis des Herrn E. ist so lebendig, dass wir meinten, sein Antlitz verfinstere sich etwas, als wir es so nahe und so genau betrachtet haben.»
 

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